14.03.2019

Nachbericht 2019

Das Symposium „Medienethik“ fand am 7. März 2019 an der FH St. Pölten statt.

Algorithmen statt Ethik? Möglichkeiten und Grenzen technologisch ausgerichteter Geschäftsmodelle in der TIME Branche

Unter dem Titel „Algorithmen statt Ethik? Möglichkeiten und Grenzen technologisch ausgerichteter Geschäftsmodelle in der TIME Branche“ wurden gesellschaftliche, ethische und ökonomische Implikationen der Technologisierung medienwirtschaftlicher Wertschöpfung für Medienmanagement, Journalismus und Medienpolitik kritisch beleuchtet.

Inhalte

Welche Verantwortung haben TIME-Unternehmen für diese neuen, auf Daten und Software beruhenden Geschäftsmodelle? Kann der/die Einzelne überhaupt noch eigenverantwortlich hinter die Systeme blicken? Wo sind Algorithmen gewinnbringend und gefahrlos einzusetzen, wo bedarf es einer Einschränkung der Technologie durch Ethik? Sind Maschinenethik und Roboterjournalismus die Zukunft?

Um eine möglichst große Perspektivenvielfalt sicher zu stellen, referierten und diskutierten Medienethiker*innen, Medienökonominnen und -ökonomen sowie Vertreter*innen von Medienhäusern, Plattformunternehmen und der Technologieforschung.

Algorithmen, Wirtschaft, Gesellschaft
Die Keynote hielt Wirtschaftsinformatiker Stefan Strauß vom Institut für Technikfolgen-Abschätzung (ITA) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW). Unter dem Thema „Alles unter Kontrolle? Wie Algorithmen Wirtschaft und Gesellschaft verändern" zeigte er auf, wie Algorithmen auf globaler Ebene zu allgegenwärtigen Kontrollinstrumenten unser Gesellschaft geworden sind.

Algorithmen steuern wirtschaftliche Prozesse und Infrastrukturen, analysieren große Datenmengen, beeinflussen Medieninhalte und Konsumverhalten, kennen unsere sozialen Kontakte, Interessen und Vorlieben und scheinen manchmal mehr über uns zu wissen als wir selbst. Doch trotz dieser enormen Macht bleibt Strauß zufolge oft vage, wie diese Macht entsteht, welche Bedeutung Algorithmen tatsächlich haben und welche Auswirkungen ihr Einsatz mit sich bringt.

Florian Saurwein vom Institut für vergleichende Medien- und Kommunikationsforschung (CMC) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften zeigte Probleme und Lösungen für die Moderation von Inhalten auf Internet-Plattformen und Sozialen Medien auf. Algorithmen würden einerseits als Instrument im Kampf gegen unrechtmäßige und unerwünschte Inhalte wie Hass und Desinformation eingesetzt. Anderseits bringe der Einsatz von Algorithmen Verzerrungen, Manipulation und ungewünschtes Blockieren harmloser Inhalte. Damit sind Algorithmen laut Saurwein sowohl Problemverursacher, als auch Lösungsoption. Nikolaus Pöchhacker vom Digital/Media/Lab an der TU München stellte vor, wie Algorithmen verantwortlich gestaltet werden können.

Stimmung in Texten erkennen und Algorithmen-Einsatz bei Agenturen
Johanna Grüblbauer und Andreas Gebesmair vom Institut für Medienwirtschaft der FH St. Pölten präsentierten, wie man Meinungen, Empfindungen und Emotionen in Texten und Online-Kommentaren automatisch erkennen und bewerten kann. Sie verwenden diese Methode der Sentiment-Analyse in einem Forschungsprojekt, um herauszufinden, wie die Musikindustrie automatisiert aus einer großen Menge an Kommentaren in Sozialen Medien zu Musikstücken, Künstlerinnen und Künstlern brauchbare Daten für Marktanalysen gewinnen kann.

Verena Kawarik, Leiterin der Stabstelle Innovationsmanagement der Austria Presse Agentur (APA), stellte Praxisbeispiele zum Einsatz von durch Algorithmen gesteuerter Produktion in Nachrichtenagenturen vor und zeigte damit einhergehende Chancen und Risiken der Automatisierung auf.